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Auen I


Renaturierung von Fließgewässerlandschaften - Erfolgskontrolle und Bewertung neuer Furkationen an der Lahn bei Cölbe (Marion Köhler)
Im ersten Teil der Arbeit werden die theoretischen Grundlagen der Fließgewässerökologie und der historischen Entwicklung von Fließgewässerlandschaften dargestellt. Im zweiten Teil erfolgt die Darstellung einer Erfolgskontrolle von Renaturierungsmaßnahmen an der Lahn bei Marburg. Obwohl die beiden Maßnahmen erst vor wenigen Jahren umgesetzt worden sind, läßt sich bereits ein deutlicher Erfolg aufzeigen. So wurden neue Lebensräume initiiert, die von der Lahn eigendynamisch aus- und umgeformt werden. Obwohl beide Maßnahmen vergleichbar ausgeführt wurden und auch die Vegetation Ähnlichkeiten aufweist, haben die beiden Teilabschnitte dennoch unterschiedliche Entwicklungen genommen.


Bewertung fluvialmorphologischer Strukturen und Prozesse in Mittelgebirgsbächen des Odenwaldes und Entwicklung eines regional spezifischen Leitbildes unter besonderer Berücksichtigung der Habitateignungsprüfung für den Steinkrebs am Beispiel des Eberbachs (Odenwald) (Markus Prechtl)
Leitbilder dienen bei Renaturierungsmaßnahmen als Referenzzustände, die als visionäres Entwicklungsziel die Art der Maßnahmen bestimmen. So wurden bei der hessischen Fließgeässer-Strukturkartierung seitens des Auenzentrums Hessen der HGON regional spezifische Leitbilder für die Gewässertypen des Buntsandsteins, des Schiefergebirges und des Basalts entwickelt. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Leitbild- und Referenzbeschreibung eines Baches aus der geologischen Haupteinheit 'dem Kristallinen'. Die im Untersuchungsgebiet vorhandene Steinkrebspopulation und deren Habitatnutzung ging in diese Leitbildfindung ein.
Das Untersuchungsgebiet und dessen hohe fluvialmorphologische Dynamik sowie die daraus resultierenden Ausprägungen der Gewässerstrukturen sind unter naturraumtypischen Voraussetzungen als naturraumspezifische Gewässersituation für die Leitbilddarstellung anderer gleichartiger kristalliner Mittelgebirgsbäche anzusehen und übertragbar, wobei die Eigendynamik des Untersuchungsgebietes als abundanzbestimmend auf die Steinkrebspopulation wirkt.


Zur Akzeptanz von Renaturierungsmaßnahmen an Fließgewässern - Untersuchungen an der Lahn bei Marburg (Alexandra Bach)
Bei der Umsetzung von Maßnahmen des Naturschutzes stehen die Akteure oftmals vor dem Problem, dass die Akzeptanz der von Fachleuten als wichtig angesehenen Maßnahmen nicht gegeben ist und eine Projektidee scheitert, oder dass Akzeptanzprobleme ein Projekt erheblich behindern. Um Näheres über die Ursachen von Akzeptanzproblemen bei Fließgewässer-Renaturierungen herauszufinden und ggf. Empfehlungen an die Akteure zu geben, wurden in der Arbeit zwei Projekte an der Lahn bei Marburg mit Methoden der empirischen Sozialforschung untersucht.
Die Ergebnisse von Interviews und Befragungen machen deutlich, dass es bei beiden untersuchten Projekten erhebliche Akzeptanzprobleme gab und noch immer gibt. Es stellte sich heraus, dass Akzeptanzprobleme besonders durch unzureichende Kommunikation und Beteiligung der Betroffenen gefördert wird. Das dadurch entstehende Gefühl der Nicht-Beteiligung oder der unzureichenden Berücksichtigung eigener Interessen ruft schnell negative Gefühle und eine ablehnende Haltung hervor. Um jedoch Kommunikationsbarrieren zu vermeiden, müssen Transparenz und Ehrlichkeit während der Planung gewährleistet sein. Außerdem sind die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Emotionen der Betroffenen zu berücksichtigen und Anpassungen an landschaftliche Veränderungen zu erleichtern. Als Empfehlung für die Behebung von Akzeptanzproblemen nennt die Bearbeiterin die Durchführung von Einzelgesprächen, um emotionale Vorbelastungen abzubauen, sowie die möglichst frühzeitige Durchführung von Informationsveranstaltungen mit der Darstellung der geplanten Maßnahme und deren Vorteile. Die von Grundeigentümern vorgebrachten Bedenken müssen in die Planung aufgenommen werden. Hierfür am besten geeignet ist ein von externen Fachleuten moderiertes Verfahren, in dem Projektleitung und Betroffene gleichermaßen bereit sein müssen, Kompromisse einzugehen und Lösungen zu finden.
Fazit: Um Akzeptanz für Renaturierungsmaßnahmen an Fließgewässern zu erreichen oder zu erhöhen, müssen die Menschen unter Berücksichtigung ihrer individuellen Sichtweisen von Anfang an stärker als bisher in die Planungen einbezogen werden.


Geomorphologische Einflüsse von Weidetieren auf die Gewässer- und Uferstruktur kleiner Fließgewässer (Carsten Burggraf)
Weidetiere, die einen Zugang zu einem Fließgewässer haben, üben auf dieses sowie auf das umgebende Ufer einen Einfluss aus. Um diese Auswirkungen zu untersuchen, wurde ein ergänzendes Kartiermodul zu Gewässerstrukturgütekatierung entworfen und erprobt.
Die Ergebnisse der Arbeit zeigen, dass sich innerhalb von 4 Jahren 42 % der Untersuchungsabschnitte bzgl. der Strukturgüte verbessert haben, 21 % die Strukturgüte beibehielten und sich an 37 % der Abschnitte die Strukturgüte verschlechterte. Besonders hervorzuheben sind die Entstehung von Trittbänken am Ufer und Aufweitungen des Gewässerprofils, deren Häufigkeit von der Art der Weidetiere und dem Nutzungsdruck auf das Gewässer bestimmt wird.
Anhand der Untersuchungen zeigte sich aber auch, dass es sich im Rahmen der Strukturgütekartierung lohnen würde, das Gewässerumfeld, also die Auen, stärker in die Erfassung mit einzubeziehen.
Zusammenfassend kommt der Autor zur Aussage, dass aus gewässermorphologischer Sicht einer nachhaltig konzeptionierten Beweidung der ganzen Aue nichts entgegen steht.


Klassifikation und Bewertung von Gräben am Beispiel eines Entwässerungssystems im Hessischen Ried (Nicole Brüggen)
Gräben sind als anthropogen induzierte Gewässerläufe im Hinblick auf die Bewertung und Maßnahmenerstellung von herkömmlichen Fließgewässern zu unterscheiden. Ihre Anlage dient der Entwässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen. In zahlreichen Gebieten wird dadurch eine Bewirtschaftung erst möglich. Durch die Umgestaltung der Naturlandschaft in eine Kulturlandschaft erfüllen Grabensysteme oftmals wichtige ökologische Funktionen. Sie dienen als Rückzugsräume und ökologische Trittsteine für an Wasser gebundene Tiere und Pflanzen.
Die Unterhaltung von Gräben ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Dabei ist es von besonderer Bedeutung, sowohl den Ansprüchen der Landwirtschaft als auch denen des Naturschutzes zu genügen. Beide Aspekte münden in einen integrierten Kulturlandschaftsschutz, der die Funktion 'Entwässerung ackerbaulich genutzter Gebiete' mit der ökologischen Zielvorgabe 'langfristig angelegter Rückzugsräume für Flora und Fauna' vereinigt.
Zur Zeit existiert keine wissenschaftliche Untersuchung zur Typisierung und Klassifikation der umfangreichen Grabensysteme in der hessischen Oberrheinebene. Gerade dies ist eine wesentliche Voraussetzung zum Verständnis der historisch gewachsenen Kulturlandschaft und zum Verständnis der räumlich geprägten Muster, die in einem besonderen Maße durch die Grabensysteme differenziert werden.
Ein Rahmenkonzept für einen integrierten Handlungsansatz bietet die in der Arbeit entwickelten Grabenklassifikation und eine Bewertung des Ist-Zustandes der Gräben im Untersuchungsgebiet. Ein als Grundlage auf der Basis des Erhebungsbogens zur Gewässerstrukturegütekartierung entwickelter standardisierter Kartierbogen berücksichtigt verschiedene Parameter, die eine Bewertung ermöglichen und Handlungsanleitungen ableiten lassen.


Ökologische Bewertung der Belastungssituation im Küchlergraben (Stadt Griesheim) anhand chemisch-physikalischer Kenngrößen (Michael Kirchmann)
Gräben besitzen als anthropogen induzierte Gewässerläufe zahlreiche räumlich zu differenzierende Funktionen. Sie dienen sowohl der Be- und Entwässerung landwirtschaftlicher Flächen als auch der Nutzung als reiner Vorfluter. Letztgenannte Form der Nutzung ist durch eine übermäßige Schadstoffeinleitung seitens einer Kläranlage bei den Grabensystemen der Stadt Griesheim exemplarisch realisiert. Von entscheidender Bedeutung sind die Auswirkungen auf ökologisch wirksame Prozesse, da dadurch die Besiedelbarkeit des Gerinnebettes durch faunistische Elemente entscheidend reglementiert wird. Gerade die Belastung durch Nährstofffraktionen wie Stickstoff und Phosphor besitzt eine übergeordnete steuernde Funktion für den Sauerstoffhaushalt des Wasserkörpers. Dieser zeigt eine jahreszeitliche Periodik und wirkt aus diesem Grund nachhaltig auf die Möglichkeit eines dauerhaften Vorkommens aquatischer Organismen.
Die Ergebnisse der Arbeit zeigen ein geteiltes Bild: während die im Wasserkörper untersuchten Schadstoffparameter z.T. sehr schlechte Bewertungen erhielten (Besonders bedenklich müssen die vorgefundenen Ammonium-Werte eingestuft werden.), blieben die in den Sedimenten untersuchten Schwermetallgehalte in fast 70 % der Fälle unterhalb der Grenzwerte.
Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Wasserqualität im untersuchten Grabensystem der Küchlergrabens bei Griesheim müssen primär auf eine ausreichende Sauerstoffversorgung abzielen. Für die Belastung der Sedimente empfiehlt sich eine strikte Kontrolle und Einhaltung der pH-Werte sowie eine Verhinderung des Entstehens von anaeroben Sedimentverhältnissen.

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